Geburtsort: Teheran, Gefängnis

Dem Schicksal zweier Generationen im Iran während der islamischen Revolution widmet Sahar Delíjaní eine poetische Hommage mit autobiografischen Zügen

Als Ajatolla Chomeini 1979 aus dem französischen Exil in den Iran zurückkehrt und Schah Reza Pahlavi stürzt, markiert das den Beginn der islamischen Revolution. Massive Restriktionen, die Entlassung hunderter Universitätsprofessoren, Zwangsexmatrikulationen, Vertreibung und Verhaftungen sowie Massenermordungen vieler Kulturschaffender sind die Folge. Unter dem Rückschritt von gesellschaftlicher Liberalisierung und Modernisierung unter dem Schah und seiner in Amerika und Europa bewunderten, strahlenden Frau, Kaiserin Fahra Diba, zu einer antiwestlich geprägten Islamischen Republik leidet das kulturhistorisch bedeutende Land bis heute. Sahar Delíjaní wuchs in Kalifornien auf, doch geboren wurde sie 1983 im Iran – im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran. Die autobiografische Parallele zur Protagonistin ihres literarischen Debüts Kinder des Jacarandabaums ist offensichtlich. Doch die Autorin sagt: „Ich habe keine Biografie geschrieben, sondern einen Roman.“ 

Neda und ihre Cousinen spielen im Hof, unter den blühenden Zweigen des Jacarandabaums. Wie ganz normale, glückliche Kinder sehen sie aus. Doch die Mütter sind fort, eingesperrt für ihren Kampf um Freiheit im Iran. Jahre später, als Neda sich in den jungen Reza verliebt, begreift sie, dass die Vergangenheit der Eltern ihre Liebe zu zerstören droht. Neda beschließt, das jahrelange Schweigen über das Geschehene zu brechen. Sahar Delíjanís bewegender Roman ist eine glühende Anklage gegen den Terror und eine Liebeserklärung an die Menschen in ihrer Heimat. „Brutal ehrlich und doch poetisch... Als würde Delíjaní uns sagen, dass wir uns selbst in den schlimmsten aller Situationen eine innere Schönheit bewahren“, schreibt Seattle Times.

„Eine der ersten Geschichten, die ich erzählen wollte“, so die Autorin, „ist die des Dattelarmbands, das mein Vater im Gefängnis für mich gemacht hat … Ich merkte, wie wichtig es ist, all diese kleinen Dinge zu erzählen, die nicht in den Nachrichten vorkommen.“

 

Geschichte der kleinen Dinge

Sahar Delíjaní wurde 1983 in Teheran im Gefängnis geboren, weil ihre Eltern für ihren  Widerstand gegen das Regime verhaftet worden waren. „Eine der ersten Geschichten, die ich erzählen wollte“, so die Autorin, „ist die des Dattelarmbands, das mein Vater im Gefängnis für mich gemacht hat … Ich merkte, wie wichtig es ist, all diese kleinen Dinge zu erzählen, die nicht in den Nachrichten vorkommen.“


Sahar Delíjaní 
Kinder des Jacarandabaums
978-3-426-19973-2
320 Seiten, 19,99 Euro
Droemer